16. Mai – mehr Steuern für ein bisschen Frieden

Wir waren auf einem guten Weg in Deutschland. Ein Prozent Wirtschaftswachstum prognostizierten die Ökonomie-Auguren Anfang des Jahres. Und jetzt? Verzwergt sie wieder, die deutsche Wirtschaft.

Bekanntlich verdanken wir das Agent Orange aus Übersee. Er hat das Weltwirtschaftsklima ganz ohne Dioxin nachhaltig vergiftet, nachdem er ohne Sinn und Verstand und strategischen Weitblick einen Krieg angezettelt hat, von dem nur die Bekriegten profitieren. Es ist absurd: Die Mullahs wissen spätestens jetzt, dass sie die Atombombe gar nicht brauchen. Ihre stärkste Waffe ist eine schlichte Straßensperrung. Wer braucht schon Uran, wenn er Hormus hat.   

Und dennoch steht es um die deutsche Wirtschaft nicht nur schlecht. Denn eine Branche boomt seit Jahren: die Aufmerksamkeitsökonomie! Wer sie beherrscht, macht das Geschäft eines Lebens, wie die großen Tech-Konzerne beweisen. Und ich frage mich, warum sich der deutsche Staat nicht einfach sein Stück von diesem Kuchen nimmt. Deshalb fordere ich:

Rauf mit den Steuern für die Profiteure der Aufmerksamkeitsökonomie!

Auf alles Mögliche erhebt der Staat Verbrauchsteuern. Alkohol, Kaffee, Tabak und in Bälde vielleicht sogar auf Zucker. Der Verbrauch von Social-Media-Content hingegen ist unbe- und ungesteuert. Dabei ist er in weiten Teilen mindestens so ungesund wie Zucker. Und der versüßt die Laune wenigstens. Die Bitterstoffe in den asozialen Medien hingegen machen die Menschen nur, na was wohl: verbittert.  

Warum also kommen die Intensiv-Konsumenten von Insta, TikTok, Youtube und Co ungeschoren davon? Ich würde eine steuerfreie Menge an Nutzungszeit und Reaktionen vom Like bis zum Kommentar festlegen. Für alles, was darüber liegt, würde eine zweckgebundene Prophylaxe-Steuer fällig, die in die Bildungspolitik investiert werden könnte, um der nachhaltigen Verblödung entgegenzuwirken.  

Natürlich würde ich auch die Anbieter der Inhalte zur Kasse bitten. Überschreiten Influencer eine festgelegte Beitragsfrequenz, müssten sie eine Aufmerksamkeitsgenerierungs-Steuer zahlen. Wird die Aufmerksamkeit – im Marketingsprech: Awareness – mit Fake News und Hate Speeches erzielt oder gar ein Shit Storm losgetreten, würden fette bis schwer adipöse Strafsteuern fällig.

Vermutlich würde das Netz damit noch immer keine schöne neue Welt, aber vielleicht würde es ein bisschen besser … und ein bisschen ist mehr als nichts. Das hat man schon 1982 gewusst, als Nicole mit dem Lied „Ein bisschen Frieden“ den ESC, der damals noch Grandprix hieß, gewonnen hat. Ich glaube, darauf wartet die Welt vielerorts und in vielerlei Hinsicht dringender denn je. Deshalb stimmt es mich nicht hoffnungsvoll, dass der Titel des diesjährigen deutschen Beitrages, der heute Abend (im Moment ist es 12.17 Uhr) im Finale zu sehen ist, ausgerechnet „Fire“ lautet.