21. März – Die Reise-Freudig, Folge 5

Kurzer Recap: Ich war zu einer kulturanthropologischen Bildungsreise im Robinson Club Soma Bay und berichte hier in Auszügen über meine Studienerkenntnisse.

Wenn ich das gewusst hätte! Seit Wochen gebe ich mir redlich Mühe, meiner Leserschaft einen Urlaub im Robinson Club näher zu bringen. Und den krönenden Schlusspunkt sollte das Entertainment-Programm bilden. Mit allem, was dazu gehört – Kids-Bespaßung, Aqua Aerobic (nein, läuft bei mir nicht unter Sport, eine Schwimmnudel ist nun mal keine Hantel), Boccia-Turnieren, vor allem aber der Abendunterhaltung. Dazu gehören „The Great Gatsby“-Show, für die ein ROBCarpet ausgerollt wird und die Clubmitarbeiter im feinsten Zwirn erscheinen. Oder eine Mixed Musical-Show mit mäßig talentierten Sängern und Tänzern. Entschuldigung, das war gemein. Denn der Großteil dieser Akteure ist für ganz andere Aufgaben vorgesehen, die Tauch-Basis oder den Kids-Club zu betreuen zum Beispiel.

Die Entertainment-Branche ist eigentlich nicht ihre Kernkompetenz und vielleicht lag es daran, dass mich einer der Showgirls beim Essen fragte, was denn eigentlich „Kabarett“ sei. Kein Scherz, war so. Diese – durchaus sympathische – junge Dame wollte von mir auch wissen, wo denn Wiesbaden läge. Da war ich beleidigt. Man wohnt doch schließlich deshalb in einer (Bundes-)Landeshauptstadt, weil man sich geographisch nicht erklären möchte. Aber ich will mal nicht so streng sein. Insta und Tik-Tok beherrscht sie bestimmt besser als ich.

Zum Abend-Entertainment gehört auch eine Schlagernacht. Das war ein Highlight und das schreibe ich ohne jede Ironie und ohne jedes Schuldgefühl. Kein guilty pleasure. Nur pleasure. Bei unserer abendlichen Tischgruppe – acht Menschen an der Zahl – war ich die einzige, die diesem Abend entgegenfieberte, aber sieh‘ an: Alle kamen mit und alle hatten Spaß! Auch der Bankdirektor und seine Gattin, die zu meiner großen Empörung sogar textsicherer war als ich. Es gab alte Schlager und neue Schlager und die dazwischen, Schlager für Boomer, für die GenX und die Gen Alpha und alle fanden alles toll. Kein Generationenkonflikt. Nirgends. Nur Gemeinsamkeit und Verbundenheit. Alt und Jung trällerten ebenso besitzergreifend wie Marianne Rosenberg „Er gehört zu mir“. Und spätestens bei Vickys Kulthit „Ich liebe das Leben“ hatten alle kurzzeitig das Gefühl: Die Welt ist doch gar nicht so schlecht … Leider ist das ein Irrtum. Vielleicht sollten die ganzen Autokraten, der Putin und der Bibi und der Donald und der Erdogan und der Lukaschenko und der Orban einfach mehr Vicky Leandros hören. Die Welt wäre sicher eine bessere.

Sie fragen sich bestimmt immer noch, worauf ich mit meinem Einstiegssatz „Oh man – wenn ich das gewusst hätte…“ hinaus wollte?

Dass all das, was ich seit Wochen mühsam zusammentrage über das Urlauben in einem Robinson Club bereits aufgeschrieben ist. Von Olli. Dr. Andreas „Olli“ Oltrogge, um genau zu sein, der weit über 40 Jahre für Robinson gearbeitet hat – zuletzt als Club-Chef im ägyptischen Soma Bay, wo es mich hin verschlagen hatte. Dort heißt sogar der wichtigste Weg – der vom Pool zum Restaurant – „Dr. Olli Oltrogge-Boulevard“. Jener hat das Wesen des Cluburlaubs nämlich nicht nur praktisch studiert, sondern theoretisch aufbereitet – in seiner Promotion „Der animationsgesteuerte Cluburlaub“ (Untertitel: Eine empirische Studie über Entstehung und Entwicklung einer modernen Urlaubsform), 1990 an der Universität Zürich (wichtiger Hinweis: Die Quelle ist Google KI, ich garantiere also für nichts).

Und wie könnte ich zu einer wissenschaftlichen Arbeit noch neue Erkenntnisse beisteuern? Genau! Deshalb endet die Serie „Die Urlaubs-Freudig“ hiermit – es sei denn, es gibt Fragen aus der Leserschaft. Vielleicht würde ich die in einem Bonustrack beantworten. Ansonsten ist jetzt Schluss.

Denn mir sind die Kurzserien bei Arte sowieso viel lieber als die Endlos-Staffeln bei Netflix. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich kein Netflix-Abo habe.