Ich habe die Nase voll vom Kuschelkurs mit den AfD-Wählern. Dieses ewige Verständnis: Man müsse sie besser abholen, mit ihnen reden, ihre Sorgen ernst nehmen und ihre Probleme lösen. Da seien doch viele Protestwähler, die seien doch nicht alle Nazis unb blablabla … Als ob die eigentlich alle nur spielen wollen. Bullshit! (excuse my language).
Die AfD ist kein Wolf im Schafspelz. Was sie will, sagt und zeigt sie mit breiter Brust und großem Stolz:
– einen autoritären Einparteienstaat,
– eine Beschränkung der Freiheitsrechte,
– eine völkische Gesinnung,
– eine zunehmende Umweltzerstörung (weil es den Klimawandel ja nicht gibt)
– einen Rückbau der Demokratie und
– eine patriarchalische Vergangenheits-Verklärung, bei der alle Manosphere-Alphamännchen glasige Augen bekommen vor Freude
Frauen zum Beispiel empfiehlt Björn Höcke zum Erhalt der deutschen Nation ihre „Reproduktionsaktivität“ zu steigern. Das ist ein O-Ton, den ich in einem unsäglich dilettantischen Podcast (dessen Namen ich hier vermeide, um ihn nicht auch noch zu bewerben) gehört habe.
All das – und noch viel mehr – ist bekannt. Und zwar nicht, weil der Verfassungsschutz das behauptet, sondern weil es die Frontleute der Partei selbst ohne jede Scham ganz unverblümt verkünden.
Und ich soll Verständnis für Menschen aufbringen, die diese Partei wählen? Nein. Nicht jedes NSDAP-Mitglied hat mit eigenen Händen einen Juden, einen Sinti, einen Schwulen oder einen Kommunisten ermordet oder misshandelt. Aber in Summe haben sie das System gestützt und viele Gräueltaten erst ermöglicht.
Deshalb: Schluss mit dem Kuschelkurs und den verständnisvollen Streicheleinheiten für diejenigen, die das Land blau färben wollen. Reden hat keinen Zweck, wenn das Wertefundament ein grundlegend anderes ist.
Wenn jemand behauptet, ein Tisch sei kein Tisch, sondern ein Stuhl, kann man mit dieser Person auch nicht darüber sprechen, ob man besser an eckigen und runden Tischen sitzt. Wer aneinander vorbei spricht, redet nicht miteinander. Das ist völlige Zeitverschwendung.
Kümmern muss man sich um diejenigen, die sich frustriert und ratlos zurückziehen und überhaupt nicht mehr zu Wahl gehen. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz lag die Wahlbeteiligung 2026 bei jeweils rund 70 Prozent, bei der letzten Wahl in Sachsen-Anhalt bei 60 Prozent. Wenn diese vielen Nichtwähler demokratisch wählen würden, wäre viel gewonnen.
Ja, die Politik macht es uns oft schwer. Auch ich habe manchmal das Gefühl, mich bei den etablierten Parteien zwischen Pest und Cholera entscheiden zu müssen – aber eine kränkelnde und schwächelnde Demokratie kann wieder gesund werden. Eine Demokratie, die es nicht mehr gibt, hat dazu keine Gelegenheit mehr.