Kurzer Recap: Ich war zu einer kulturanthropologischen Bildungsreise im Robinson Club Soma Bay und berichte hier in Auszügen über meine Studienerkenntnisse.
Google KI beschreibt Soma Bay als eine „exklusive Halbinsel am Roten Meer“, was ganz wunderbar beweist, dass einer KI intellektuell Grenzen gesetzt sind. Was bitte ist eine exklusive Halbinsel? Und worin unterscheidet sie sich von einer inklusiven? Oder ist sie exklusiv im Sinne von „ausschließend“ – Hallo an die Lateiner in meiner Leserschaft! – weil sie ausschließlich aus Sand besteht und mit der Grün ebensowenig am Hut hat wie Markus Söder?
Aber Google KI und ich kennen uns mittlerweile schon länger und deshalb verstehe ich sie, auch wenn sie sich nicht präzise ausdrückt. Was sie eigentlich sagen will: Die Touristenunterkünfte in Soma Bay sind exklusiv – und damit hat sie recht. Dort gibt’s Sheraton statt Motel One, Kempinski statt IBIS und Robinson Club statt Riu Clubhotel.
Dass sich dort das touristische Premiumsegment angesiedelt hat, liegt nicht an der ziemlich öden Halbinsel, sondern an dem, was vor ihr liegt: Das Rote Meer ist ein Paradies für Schnorchler und Taucher. Und trotzdem gibt es viele Menschen, die nach Soma Bay reisen, um zu golfen. Das finde ich seltsam. Wobei ich klarstellen muss: Ich selbst schnorchle und tauche nicht … wo denken Sie hin. Aber ich golfe auch nicht.
Wenn ich mich aber – theoretisch – für eine dieser Aktivitäten hätte entscheiden müssen (Konjunktiv II, selten in Gebrauch, ebenfalls an die Lateiner gerichtet ), dann wäre ich ohne zu zögern ins beziehungsweise unter Wasser gegangen. Wegen der Korallenriffe und den farbenfröhlichen Fischen muss das ganz bezaubernd sein. Das haben mir Gäste erzählt, die abgetaucht sind.
Der Golfplatz hingegen liegt inmitten der „exklusiven“ Halbinsel und – ich erwähnte es – die besteht nun mal aus Sand (abgesehen von vielen Baustellen, aber da kann die Natur ja nichts für). Auf Soma Bay gibt es nicht einmal die kleinste der sonst in Ägypten so verbreiteten Pyramiden. Für die Golfgemeinde wurden die sandigen Pisten camouflageartig begrünt, aber soviel Rollrasen, wie es da Sand gibt, kann man gar nicht ankarren. Und vor allem kann man der Sonne kein verschattendes Kühlmäntelchen umhängen. Die gibt es dort nämlich satt.
Warum Menschen ausgerecht dort golfen? Ist Bad Griesbach dafür nicht besser geeignet? Und wer Bayern nicht mag, kann sein Handicap doch auch im brandenburgischen Bad Saarow aufbessern. Aber was soll’s. Wir haben in diesem Land zum Glück Rede-, Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit, da kann ich doch niemandem die Sportstättenwahlfreiheit absprechen. Sollen die Golfer eben in Soma Bay aufschlagen, um abzuschlagen. Ob die Green Fee im Wüstenbeige wohl auch so heißt?
Wie ich selbst mich – weder schnorchelnd, tauchend, golfend – sportlich betätigt habe? Ob ich wenigstens schwimmen war? Naja, nicht so richtig. Obwohl das Meer dort wirklich sehr klar ist und es keine Quallen gibt und man ohne Badeschuhe ins Wasser gehen kann, weil die scharfkantigen Riffe weit draußen sind und man sich nicht die Füße blutig stößt. Ich habe es aber nur bis zu den Knien geschafft. 21 Grad sind definitiv nicht meine Wohlfühltemperatur, wenn es nass ist.
Ich bin für meine körperliche Ertüchtigung ins Fitness-Studio gegangen, bin indoor gecycelt, habe die Langhantel gepresst und beim Cardiomove den Puls nach oben gejagt.
Mein Mann fand das komisch und hat mich gefragt, warum man sich bei fast 30 Grad und schönstem Wetter in den Group Fitness Raum verkrümelt. Das sei doch ähnlich dämlich wie bei 30 Grad in der sengenden Sonne zu golfen. Fair enough. Scheinbar bin ich den Golfspielern wesensverwandter als gedacht.