Nein, ich bin kein First Mover, wenn es um neue Technologien geht. Ich bin nicht einmal ein Fast Follower. Ich bin die, die den allerletzten Umstellungstermin bucht, wenn es bei der Arbeit ein neues Notebook gibt. Dann sind viele Kolleginnen und Kollegen mit dem Gerät schon vertraut und können mir helfen, wenn ich nicht weiter weiß.
Deshalb gehöre ich auch nicht zu denen, die den blitzartig schnellen Siegeszug der KI zum heißen Scheiß der Jetzt-Zeit bejubelt hat, von der Menschheit bewundert und umtanzt wie einst das Goldene Kalb.
Aber jetzt ist alles anders. Auch ich habe gelernt, die KI zu lieben. Und das kam so: Vor einigen Tagen habe ich bei den ZDF-News einen hochinteressanten Beitrag gelesen. Die Headline: „Trumps eigener Chatbot korrigiert seine Lügen“.
Ist das nicht großartig? Truth Social, bisher vor allem als präsidiales MAGAphon bekannt, erweist seinem Namen endlich die Ehre und mutiert zum Megaphon, das echte Wahrheiten verkündet.
Die ganze Welt übt den Kotau vor einem erratisch durch die Weltpolitik irrenden US-Präsidenten und da kommen ein paar Algorithmen daher und wagen es, ihm Paroli bieten „Nein, es gibt keine Belege dafür, dass die Wahl 2020 gestohlen war. Nein, die Situation in Washington rechtfertigt den Einsatz der Nationalgarde nicht und und und …“
Das ist ein Hoffnungsstreif in Zeiten, in denen Weltpolitik vor allem darin besteht, zu antizipieren, was einen minder begabten, psychisch auffälligen Dealmaker besänftigen respektive verärgern könnte.
Sagen, was ist – diesen Job erledigt jetzt die KI für uns. Vielleicht wird doch noch alles gut.