14. März – Die Reise-Freudig, Folge 4

Kurzer Recap: Ich war zu einer kulturanthropologischen Bildungsreise im Robinson Club Soma Bay und berichte hier in Auszügen über meine Studienerkenntnisse.

Jetzt wird es aber wirklich Zeit, mich dem zu widmen, was bei einem Urlaub im Robinson Club wirklich wichtig ist.  Das ist nicht der Sport, das ist nicht die Wärme, das sind nicht die anderen Menschen, nein, das ist natürlich: das Essen! 

Anders kann ich mir das überbordende Speisenangebot nicht erklären. Denn ein Angebot gibt es ja nur bei entsprechender Nachfrage. So ist das nun einmal in der Marktwirtschaft, also im Kapitalismus. Wenn das Angebot groß ist, kann man daraus schließen, dass es eine hohe Nachfrage gibt. Und das Speisenangebot im Club ist eine – fast – ganztägige Einladung zum großen Fressen.

Ab 7 Uhr gibt es Frühstück – mit allem Zipp und Zapp. Vom Omelett nach Wunsch über Crepes und Pancakes bis zu einer Frischobst-Auswahl mit Plantagenausmaßen. Frühstück gibt es bis 11 Uhr. Das ist gut. Dann kann man nach einem ersten leichten Imbiss (Obst, Smoothie, Yoghurt, Vollkornbrot … ) eine Runde Pilates oder Yoga machen, um dann ein zweites nahrhaftes Breakfast mit Tendenz zum Brunch zu sich nehmen. 

Das Päuschen von 11 bis 12 Uhr bietet sich für die Erledigung der WhatsApp-Korrespondenz inklusive Essens-Fotoauswahl für den täglichen Status an – bevor um 12 Uhr das Lunch-Buffett seine Töpfe und Wärmebehalter öffnet, die Grillstation zum Dampfen bringt und der Eiswagen mit täglich wechselnder Kugelauswahl lockt. – und das bis 14.30.

Anschließend bietet sich ein halbstündiger Power Nap an. Nicht länger. Denn um 15 Uhr öffnet das Snack Buffett, bei dem ich – Club-Newbie eben! – Snacks erwartet habe. Einen Schokoriegel. Einen Apfel. 25 g Ültje-Erdnüsse. Aber nein, unter Snack laufen hier Pizza und Burger und um des guten Wellfit-Gewissens wegen gibt es auch Salat. Bis 17 Uhr, dann ist Schluss mit dem lustigen Snacken.

Es folgt der härteste Teil des Tages. Zweieinhalb Stunden Non-Food-Time. Deshalb tummeln sich die ersten Menschen bereits ausgehungert ab 19 Uhr am Restauranteingang, obwohl der erst um 19.30 geöffnet wird: für die große Abendsause und Schlacht am heißkalten Buffett. 

Was da aufgefahren wird, lässt kulinarisch wirklich keine Wünsche offen. Abgesehen von den BalAyur-Stationen für die Dauer-Diäter, Yogis und Esoteriker. Hier gibt es AYURvedisches Essen, das die BALance erhalten soll. Ich habe das einmal probiert und fortan einen weiten Bogen darum gemacht.

Ansonsten – alles grandios, aber für mich allzu molto grandioso. Ich war heillos überfordert. Jeden Abend bin ich erratisch umhergeirrt und kam meistens erst dann zu meinem Tisch zurück, wenn die anderen Beisitzer schon beim Dessert saßen. Oft waren meine Teller nur licht speisenbesiedelt, weil ich ja eigentlich noch den Kingfish und diesen arabischen Eintopf und das Rinderfilet und das Surf n’Turf und diese Gemüsepfanne und dann gab’s da doch auch noch Sushi, oder? Und so ein Salätchen, aber mit welchem Dressing –  und oh, da gibt es ja kleine Quiches … und irgendwann doch noch Käse und Creme Brulee oder doch lieber Creme Caramel? Am Valentinstag war das Dessert-Buffett übrigens besonders augenschmausig: Alles in „Fifty Shades of Barbie Pink“ gehalten – mit Herzchen und Blümchen und Kussmund. Das war drollig. Sogar das Baguette trug am Tag der Verliebten einen Hauch von Tomaten-Rouge.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Weniger auf dem Buffett ist für entscheidungsschwache Menschen wie mich einfach mehr. Und vielleicht würde das unserer Überflussgesellschaft auch gut tun. Eingangs erwähnte ich das Wort „Kapitalismus“. Der kennt die künstliche Angebotsverknappung. Ökonomisch dient diese dazu, Preise hoch zu treiben (das Ferrari-, Rolex- und „Aldi hat heute billige Notebooks“-Prinzip). Aber sie ist nicht nur schlecht, sondern hilft bisweilen dabei, mehr Wertschätzung für das zu entwickeln, was man hat, weil und wenn man es nicht immer hat.

Sorry für diesen moralinsauren und spaßbefreiten Cliffhanger in Folge 4. In der nächsten Folge werde ich jegliches Gutmenschentum vermeiden. Versprochen – naja: vielleicht.