Nicht aus hitzebedingter Trägheit mache ich es mir heute ganz einfach und erinnere an einen der unzähligen kuriosen Feiertage, die es im Jahresverlauf so gibt.
Heute feiert man in den USA den National Simplicity Day, den Tag der Einfachheit – und ja, natürlich hat mich der Gedanke durchzuckt, dass in den USA seit einiger Zeit doch eigentlich jeder Tag ein National Simplicity Day ist.
Aber das ist gemein, pauschalierend, respektlos und undifferenziert. Natürlich sind nicht alle US-Amerikaner von so schlichtem Gemüt wie ihr Präsident. Aber der bombt sich im Iran und an der Straße von Hormus zum Glück ja gerade um seinen Wahlerfolg bei den Mid-Terms. Sorry, das ist natürlich zynisch. Seine Bombenstimmung hat schließlich katastrophale Auswirkungen auf die Welt im Allgemeinen, ihre Wirtschaft im Besonderen und die iranische Bevölkerung im Speziellen.
Aber zurück zum National Simplicity Day, der an einen ganz und gar nicht simplen, sondern sehr intellektuellen Geist erinnert. Der 12. Juli ist der Geburtstag des US-amerikanischen Schriftstellers und Philosophen Henry David Thoreau, der im 19. Jahrhundert gelebt hat. Ich wette, dass Nr. 47 diesen Namen noch nie gehört hat. Aber vermutlich wird er das nicht zugeben, sondern über den guten alten Henry sagen, dass er ein „a very nice guy“ oder „a great loser“ sei. Oder er vermutet, dass Thoreau ein Land ist, das man unbedingt annektieren sollte, weil es da Rohstoffe gibt.
Die gibt es bei Thoreau tatsächlich, diese Rohstoffe. Aber keine, die den US-Präsidenten sonderlich interessieren dürften. Denn es handelt sich um „food for thought“ und davon wird Mr. Trump nicht satt. Eigentlich erstaunlich, denn er ist doch ein großer Waffennarr. Aber dass Gedanken, die in Bücher fließen, eine überaus wirkmächtige Waffe sein können, hat er zum Glück noch nicht erkannt. Lernt man eben auch nicht so gut, wenn man nur Comics liest. Ich glaube übrigens fest daran, dass dieser Mangel an „Food for Thought“ seine politische Restlaufzeit verkürzen wird. Mittlerweile soll es sogar im MAGA-Lager Anhänger geben, die sich um den Geisteszustand von King Don sorgen.
Dieser Thoureau hat einen Text mit dem Namen „Walden“ geschrieben, bei dem es – verknappt gesagt – um das einfache Leben in und mit der Natur geht. Er hat rund zwei Jahre im Wald gelebt und sich der damaligen „Industriegesellschaft“ (aus heutiger Sicht braucht es die Anführungszeichen) zu entfleuchen.
Ziel dieser Stadtflucht: sich zurückzubesinnen auf das Einfache und das Wesentliche. So eine Art Digital Detox, lange bevor es Smartphone, Mentalcoachs, Achtsamkeitsworkshops und Mediationskurse gab.
Wohin es Henry Thoreau heute wohl für die innere Einkehr ziehen würde? Ich glaube, es wäre immer noch ein Haus im Wald. Aber vielleicht würde er als Zugeständnis an die modernen Zeiten morgens eine Runde Yoga einlegen.